29. Haydn Festspiele
HaydnLandTage 2017 – eine musikalische Entdeckungsreise mit einzigartigen Konzerten, vielen unvergesslichen Momenten und neuen Haydnfans.
 

Der Aufbruch zu Neuem ist eine Herausforderung, erfordert Mut und bietet zugleich die Chance, neue Entdeckungen zu machen. Mit den HaydnLandTagen 2017 betraten die Haydn Festspiele Burgenland sowohl geographisch als auch musikalisch Neuland. Intendant Dr. Walter Reicher öffnete die Tore zum HaydnLand und brachte mit erstklassigen Konzerte die wundervolle Musik Joseph Haydns in die Region um den Neusiedlersee. Ein Konzept, das voll aufging und neben begeistertem Stammpublikum auch „Haydn-Neulinge“ ins Schwärmen geraten ließ. 15 Schauplätze in 11 Tagen verteilt im ganzen HaydnLand, 13 Veranstaltungen waren restlos ausverkauft und eine Gesamtauslastung  von 96 Prozent – das ist die stolze Bilanz der 29. Haydn Festspiele, die heuer erstmals unter dem Titel HaydnLandTage liefen und sich mit „Haydn & Paris“ auseinandersetzten.

 

HAYDN & PARIS

 

Mit dem Eröffnungskonzert im prächtigen Festsaal der Alten Universität Wien begaben sich Dirigent Enrique Mazzola und das Orchestre National d’Ile de France in einen ganz besonderen Konzertsaal. An diesem historischen Ort war am 27. März 1808 das Oratorium „Die Schöpfung“ zu Ehren Haydns aufgeführt worden. Neben dem verehrten Maestro selbst war auch Ludwig van Beethoven unter den Gästen. „Es war uns bewusst, welch großes Erbe wir mit diesem Konzert antreten. Umso mehr freut es mich, dass unser Publikum eine tolle Aufführung des Oratoriums zu hören bekam, die den Vergleich mit der Vergangenheit nicht zu scheuen braucht“, freut sich Intendant Reicher über den gelungenen Auftakt der HaydnLandTage.

 

Mischa Maisky zählt zu jenen Stars der Haydn Festspiele, die seit Jahren beim Publikum auf enorme Gegenliebe stoßen. Sein Konzert in der Bergkirche versetzte die Zuhörer in eine ganz eigene Stimmung. Beseelt von jenem Ort, an dem Haydn seine letzte Ruhestätte fand, verzauberte der Ausnahmekünstler seine Fans mit den Cellosolo-Suiten 1, 4 und 5 von Johann Sebastian Bach.

 

Die Haydn Festspiele wurden heuer erstmals an 15 verschiedenen Spielorten, verteilt im gesamten HaydnLand, abgehalten. Dazu gehört auch Haydns Geburtsort Rohrau. Im dortigen Schloss war Haydns Mutter Köchin. Die Haydn Festspiele luden mit dem Pacific Quartet Vienna an diesen historischen Haydn-Schauplatz zu einer Matinee, bei dem das Ensemble mit Streichquartetten von Haydn und Ravel begeisterte.

 

Dass es dann am Abend zum Geburtsort von Franz Liszt nach Raiding ging, war natürlich kein Zufall,  stand das Konzert im Liszt-Konzertsaal doch ganz im Zeichen von Paris, dem Ort, an dem Liszt Triumphe feierte und Haydn Jahrzehnte zuvor der meistgespielte Komponist seiner Zeit war. Stilgemäß luden die Haydn Festspiele dazu den französischen Ausnahmegeiger Renaud Capucon. Mit dem Kammerorchester Basel eroberte er das Publikum im Sturm.

 

Auch das Schloss Kittsee ist ein originaler Haydn-Schauplatz. Spielte er doch dort für die Kaiserin Maria Theresia. Das Wr.Kammerorchester unter dem Haydnspezialisten Paul McCreesh setze daher folgerichtig auch Haydns „Maria Theresia Symphonie“ auf ihr Programm.

Die Haydn Festspiele haben es sich von Beginn an zur Aufgabe gemacht, neben den bewährten klassischen Konzerten auch neue Formate auszuprobieren, die vom Publikum begeistert angenommen wurden. Absolutes Highlight war dabei die Fahrt im „Magical Haydn Train“, die Haydnliebhabern wahre Glücksmomente bescherte und sie aus dem Staunen nicht herauskommen ließ, als der Zug etwa mitten in der pannonischen Tiefebene anhielt und das Publikum ein Picknick erwartet, wo das Haydn Quartett das „Vogelquartett“ ihres Namensgebers zum Besten gab. Weiter ging es nach einem Mittagsstopp mit Volksmusik aus Haydns Zeit, dargeboten vom Heanzn Quartett im Mönchhofer Dorfmuseum, ins ungarische Fertöd, wo Haydn auf Schloss Eszterháza mehr als dreißig Sommer verbrachte. Die Hamburger Ratsmusik präsentierte für die Reisenden Musik aus Versailles und Estoras. „Diese Veranstaltung war sensationell und es ist schon etwas ganz Besonderes, Haydns Musik inmitten der Natur zu erleben“ sagt Reicher.

 

Zwei Veranstaltungen führten die Besucher der HaydnLandTage mit ihrem Programm ins Paris des 20.Jahrhunderts: Paris je t’aime“ lautete die zauberhafte Liebeserklärung von Valerie Sajdik, die mit ihrem Chanson-Abend ihr Publikum in die Stadt der Liebe entführte. Haydn on the Beach mit dem Diknu Schneeberger Trio brachte den Jazz von Django Reinhardt in der Mole West an das Ufer des Neusiedlersees.

 

Wenn der Ort ein Gotteshaus ist, Haydns „Harmoniemesse“ erklingt und das Publikum in Begeisterungsstürme ausbricht, dann ist Adam Fischer wieder einmal zur Höchstform aufgelaufen. Der weltweit anerkannte Haydnexperte überwältigte mit dem Danish Chamber Orchestra, dem Wiener Kammerchor sowie den Solisten Fatma Said, Hermine Haselböck, Michael Piskorski und Mathias Hausmann das Publikum. Die Basilika Frauenkirchen war auch der ideale Aufführungsort für den Haydns Oratorium „Die Jahreszeiten“. Unter der Leitung von Erwin Ortner riss der Schönberg Chor gemeinsam mit dem Solistentrio Ursula Langmayr, Michael Nowak und Adrian Eröd und dem Wr.Kammerorchester das Publikum zu Jubelstürmen hin. „Diese Abende in der Basilika waren Gesamtkunstwerke, ein kompaktes Erlebnis über das noch lange gesprochen werden wird“, ist Intendant Reicher überzeugt.

 

Dass Haydn noch lange nicht komplett erforscht ist, zeigte sich beim internationalen musikwissenschaftlichen Symposium. Im ehemaligen Wohnhaus des Komponisten setzten sich internationale Musikwissenschaftler mit dem aktuellen Forschungsstand zur Entstehungsgeschichte und Rezeption von Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ auseinander.

 

Einer der ganz großen Sänger unserer Zeit ließ seinen Tenor im lichtdurchfluteten Prunksaal im Halbturner Schloss erklingen. Piotr Beczala, begleitet von Helmut Deutsch, erwies er mit Lieder von Joseph Haydn auch dem genius loci seine Referenz.

 

Eine ganz besondere Atmosphäre schuf die sympathische und herausragende Organistin Iveta Apkalna bei ihrer Orgelwanderung zu den drei Eisenstädter Kirchen, deren Orgeln eng mit Joseph Haydn verbunden sind.

 

Den Abschluss der 29. Haydn Festspiele bildete auch heuer traditionell die Matinee mit Adam Fischer. Im Raidinger Liszt-Konzerthaus begeisterte er mit seinem Danish Chamber Orchestra und der fantastischen Jasminka Stancul am Klavier das enthusiasmierte Publikum. Das Konzert wurde wieder traditionellerweise Haydns Abschiedssymphonie beendet, die viele im Publikum zu Tränen rührte. Adam Fischer verabschiedete sich mit den Worten „Nach den Festspielen ist vor den Festspielen. Ich freue mich darauf, sie alle nächstes Jahr wieder bei den Haydn Festspielen zu sehen.“

 

„Wir blicken mit Freuden auf ein neues Festivalformat zurück, das dem hohen musikalischen Niveau der Haydn Festspiele treu bleibt und zugleich mit neuen Formaten den Schritt in die Zukunft erfolgreich gemeistert hat. Wir haben Haydns Musik den Menschen entgegengebracht und konnten neues Publikum gewinnen. Es ist schön, dass so viele Besucher sich mit uns auf diese musikalische Reise hinaus ins HaydnLand begeben haben. Das Erbe Joseph Haydn ist bei den Haydn Festspielen in guten Händen. Haydn acht einfach glücklich“, zieht Intendant Dr. Walter Reicher erfreut Bilanz.